Was macht einen guten Hundetrainer aus?
Die Wissenschaft beweist:
Hundetrainer ist nicht gleich Hundetrainer
Folgende Fragen wurden innerhalb des Forschungsprojektes untersucht:.
- Was müssen Hundetrainer mitbringen, um gute Hundetrainer zu sein?
- Wie müssen sie ausgebildet sein? Gibt es unterschiedliche Typen von Hundetrainern?
Fragen, die im Rahmen einer Befragung von Hundetrainern beantwortet wurden.
Nach Auswertungen von über 500 Befragungen von Hundetrainern ist es gelungen, vier typische Hundetrainer-Charaktere zu unterscheiden:
- den Hundesportler,
- den Pädagogen,
- den Teamtrainer und
- den Generalisten.
Doch nicht die Ausbildung und Soziodemographie der Trainer reichten für die Zuweisung zu einem Trainertyp aus, sondern die unterschiedlichen Einstellungen und Verhaltensweisen der Trainer, die das Training maßgeblich beeinflussen.
Der Trainingsalltag eines Hundetrainers
Im Trainingsalltag wird es Hundetrainern nicht immer leicht gemacht: Laut Eigenaussage werden sie in der Regel meistens erst dann als Erziehungshelfer hinzugezogen, wenn bereits Probleme zwischen Mensch und Hund bestehen. Gleichzeitig beschränkt sich die Motivation unter Haltern, tatsächlich etwas verändern und dafür Zeit und Kraft investieren zu wollen, nach Aussage der Hundetrainer auf ein kritisches Minimum. Auch fällt auf, dass zwar mehr als ein Drittel aller Hundetrainer überwiegend Gruppenstunden anbieten, wenngleich lediglich 4% der Befragten glauben, dass diese Trainingsform die sinnvollste ist und sie eigentlich lieber Einzelstunden anbieten würden.
Insgesamt zeigt sich, dass der Anspruch von Hundetrainern häufig sehr hoch ist, in der Realität jedoch selten erfüllt wird. Vor allem, weil der Trainingsalltag zu selten entsprechend der Idealvorstellungen zu gestalten ist.
Aufgrund der vielen Unterschiede im Ausbildungshintergrund, der Einstellungen und Verhaltensweisen von Hundetrainern wird eine Forderung nach klaren Ausbildungsrichtlinien und Vorgaben unerlässlich, um zumindest einen Minimalstandard der Beratung im Hundetraining zu garantieren. Im Interesse der Hundehalter als Kunden, aber auch nicht zuletzt im Sinne der Hunde, die teilweise in Großgruppen bei minderqualifizierten Hundetrainern intuitiven Ausbildungsmethoden ausgesetzt werden, während ihre Halter gutgläubig in ihrer Notlage vermuten, „alles richtig zu machen“.
Die Ergebnisse machen deutlich: Hundetrainer ist nicht gleich Hundetrainer.
Wir danken Mensch-Hund-Check für die Erlaubnis diese Inhalte auf unsere Page einstellen zu dürfen. Quelle:
www.mensch-hund-check.com
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Die gesamten Untersuchungsergebnisse können Sie hier downloaden:
Subjektive Theorien von Hundetrainern: Anspruch und Wirklichkeit im Hundetraining" von S. Wechsung & R. Bergler (2011)
Zielsetzung der Untersuchung war es, die Einstellungen, Orientierungen und Verhaltensweisen von Hundetrainern in der Ausübung ihres Berufs näher zu untersuchen.
Folgende Fragen sollten anhand der Forschungsergebnisse beantwortet werden:
- Welche subjektiven Vorstellungen (naive Theorien) haben Hundetrainer im Hinblick auf die für die erfolgreiche Ausübung dieser Tätigkeit notwendigen Qualifikationen?
- Welche subjektiven Theorien haben Hundetrainer im Hinblick auf ihr angewendetes Trainingskonzept?
- Welche subjektiven Theorien haben Hundetrainer in Bezug auf Hundehalter und deren Mensch-Hund-Beziehungsqualität?
- Unterscheiden sich Hundetrainer unterschiedlicher Ausbildungsrichtungen und Qualifikationen hinsichtlich ihrer subjektiven Theorien zu verschiedenen trainingsrelevanten Faktoren?
- Lassen sich unterschiedliche Typen von Hundetrainern ermitteln, die sich in ihren Einstellungen, Verhaltensweisenund subjektiven Theorien zur Hundehaltung und zum Hundetraining grundlegend von einander unterscheiden?
Methodisch war die Untersuchung zweistufig angelegt. Die psychologische Pilotstudie umfasste 15 ausführliche explorative Interviews mit Hundetrainern; daraufhin wurden insgesamt 553 Hundetrainer anhand von 50 persönlichen standardisierten Interviews und der parallelen Durchführung einer Internetbasierten Online-Befragung befragt.
Wie die Ergebnisse zeigen, möchten die meisten Hundetrainer eine Ausbildung zur Ausübung ihres Berufs vorweisen.
Ausbildung zum Hundetrainer
79% der befragten Trainer verfügen nach Selbstauskunft über eine Trainerausbildung, die von 60% auch bereits abgeschlossen wurde. Allerdings sagen die Teilnahme an Ausbildungsmaßnahmen und ein entsprechender Abschluss noch nichts über die Güte der Ausbildung aus, denn hier bestehen große zeitliche und qualitative Unterschiede. Während einige jahrelange Ausbildungen absolvierten, nehmen andere an Wochenendseminaren teil, um die subjektiv als notwendig empfundenen Qualifikationen zu erlagen. Viele praktizierten auch bereits, bevor sie eine Ausbildung abgeschlossen hatten.
Wie bilden sich Hundetrainer weiter?
Als Informationsquelle zur Gewinnung von Fachwissen nutzen Hundetrainer insbesondere Fachliteratur oder Fachmedien. Für etwas weniger als die Hälfte stellt der Erfahrungsaustausch mit anderen Trainern eine häufig genutzte Informationsquelle dar. Das Internet wird von Hundetrainern relativ wenig genutzt, um fachspezifische
Informationen zu gewinnen und weniger als zehn Prozent der Befragten sehen Messen als eine geeignete Möglichkeit zur Erlangung von Fachinformationen.
Nahezu alle Hundetrainer (92%) halten Seminare zur Fort- und Weiterbildung für sinnvoll und haben bereits an Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen. Bei der Untersuchung, welche Themenschwerpunkte von Hundetrainern im Rahmen der Weiterbildung präferiert werden, zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt auf Angeboten zum Umgang mit verhaltensauffälligen Hunden und zur Verhaltensbiologie des Hundes. Seminare zur Vertiefung des Wissens zu Hunden und Hundehaltung werden wesentlich häufiger besucht als Seminare, die sich auf den Umgang mit den zu trainierenden Menschen beziehen, wie z.B. die Beratung von Hundehaltern oder Seminare zur
Psychologie der Mensch-Hund-Beziehung.
Der in der Weiterbildung gesetzte Schwerpunkt deckt sich allerdings nicht mit den subjektiven Theorien von Hundetrainern zu den für die Berufsausübung notwendigen Kompetenzen. Auf die Frage, über welche Fähigkeiten Hundetrainer verfügen sollten, wird weniger die kynologische Fachkompetenz und ein hohes Interesse am Thema Hunde betont, sondern insbesondere die soziale Kompetenz der Trainer im Umgang mit den zu beratenden Hundehaltern als bedeutsam angesehen. Die Mehrheit der Befragten fordert darüber hinaus von einem guten Hundetrainer, dass er seine Fachkompetenz realistisch einschätzen und eigene Fehler zugeben sollte bzw. im Vorfeld erkennen muss, welchen Kundenanfragen er nicht gewachsen ist. Dass das Bewusstsein der eigenen fachlichen Grenzen einen solch hohen Stellenwert einnimmt, ist vermutlich auch darauf zurück zu führen, dass Überforderung bei mangelhafter Ausbildung nicht selten vorkommt.
Die Zielsetzung des Hundetrainings
Die meisten Hundetrainer sehen als Zielsetzung des Hundetrainings eine Verbesserung der Mensch-Hund-Interaktion und eine Optimierung der Mensch-Hund-Kommunikation an. Rund drei Viertel aller Befragten sieht die Stärkung der Bindung und den gemeinsamen Spaß des zu trainierenden Mensch-Hund-Gespanns eindeutig im
Fokus guten Hundetrainings. Ein gutes Drittel der Befragten hält die Erziehung und die Beschäftigung des Hundes für den wesentlichen Auftrag des Hundetrainings.
Vergleicht man die von den Hundetrainern angegebenen Ziele und Merkmale guten Hundetrainings mit den von den Trainern vermuteten Hauptmotiven von Hundehaltern, eine Hundeschule zu besuchen, zeigt sich ebenfalls eine weitere deutliche Diskrepanz. Sehen die Trainer ihre Hauptaufgabe vor allem in der Verbesserung der Verständigung
und der Bindung von Mensch und Hund, wünschen sich die Halter nach Einschätzung von Hundetrainern insbesondere die Beseitigung von Problemen und die Reduzierung von Erziehungsschwierigkeiten.
So lässt sich vermuten, dass die in der Hundeschule angebotenen Maßnahmen die Erwartungen der Hundehalter nicht immer erfüllen, was unweigerlich zu einer gewissen Unzufriedenheit auf Kundenseite und zu kommunikativen Störungen führen muss. Die meisten Hundetrainer wünschen sich, dass Hundehalter ihre Unterstützung bereits proaktiv in Anspruch nehmen, bevor es zu Problemen in der Mensch-Hund-Beziehung kommt. In der Realität werden sie aber eher als „Feuerlöscher“ genutzt und erst dann aufgesucht, wenn sich bereits Schwierigkeiten im Umgang mit dem Hund zeigen.
Viele Hundetrainer haben insgesamt ein eher negatives Bild von ihren Kunden. So halten lediglich ein Drittel der Befragten ihre Kunden im Hundetraining für veränderungswillig und motiviert (30%), nur 22% schreiben den Hundehaltern zu, sich viel Zeit für den Hund zu nehmen und lediglich 16% attestieren ihren Kunden ein großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren Hunden.
Hundetraining in der Praxis
Eine weitere Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zeigt sich in der Praxis des Hundetrainings. Auf die Frage, wie Hundetraining am besten ablaufen sollte, gibt die Mehrheit der befragten Trainer an, dass ein individuelles, am jeweiligen Mensch-Hund-Gespann orientiertes Training in der Einzelstunde optimal sei. Lediglich 4%
meinen, dass Hundehalter und Hunde am besten in der Gruppe trainieren sollten. Zwar verzichtet in der Praxis kaum ein Hundetrainer auf ein Gespräch mit dem Halter beim Erstkontakt, allerdings scheint den meisten ein kurzer Austausch auszureichen. Sonst wäre nicht erklärbar, dass schon allein grundlegende Informationen zu Mensch und Hund (wie z.B. zum Gesundheitszustand oder den Lebensumständen des Halters) nur noch von rund der Hälfte der Trainer hinterfragt werden. Der Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird im weiteren Trainingsverlauf noch deutlicher. Lag in der ersten Trainingsstunde das Hauptaugenmerk der Hundetrainer noch auf der Beobachtung von Mensch und Hund, so rückt der Hund in den späteren Trainingseinheiten immer
stärker in den Mittelpunkt der Trainingsgestaltung. Fast 70% der Befragten richten die Übungen an den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Hundes aus, während sich lediglich 17% an den Wünschen des Hundehalters orientieren.
Auch wenn die meisten Trainer am liebsten individuell, am jeweiligen Mensch-Hund-Gespann orientierte Einzelstunden durchführen würden, lässt sich dies in der Praxis wohl eher nicht realisieren. 41% der befragten Hundetrainer führen überwiegend Einzelstunden durch und beziehen auch das familiäre Umfeld des Halters mit in
das Training ein, während 33% meistens in Gruppen von mehreren Hundehalten und Hunden trainieren. Rund ein Drittel der Befragten besuchen das Mensch-Hund-Gespann direkt in seinem Lebensumfeld, während ein Viertel der Hundetrainer ihre Übungsstunden nur auf einem bestimmten Gelände oder Übungsplatz anbieten.
Insgesamt fallen die Vielzahl von Widersprüchen zwischen Anspruch und Wirklichkeit und die Heterogenität in der Ausgestaltung des Trainings auf. Untersucht man die Einstellungen, Orientierungen und Verhaltensmuster von Hundetrainern unterschiedlicher Ausbildungsgänge, zeigen sich auch hier zahlreiche Unterschiede, die sich sowohl
auf die subjektiven Theorien zur Zielsetzung von Hundetraining als auch die praktische Umsetzung des eigenen Trainings beziehen. Ob die jeweiligen Unterschiede durch die verschiedenen Ausbildungen entstanden oder zumindest verstärkt wurden oder ob sie bereits vor dem Absolvieren der Ausbildung bestanden haben und damit die Selektion des jeweiligen Ausbildungsgangs begründen, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht feststellen.
Doch nicht nur zwischen den Ausbildungsgängen, sondern auch innerhalb der Absolventen unterschiedlicher Ausbildungen existieren teilweise deutliche Unterschiede in den Einschätzungen und Verhaltensweisen. So ist ein Verlass darauf, dass eine bestimmte Ausbildungsrichtung immer einen bestimmten Trainertyp und ein festgeschriebenes Trainingskonzept garantiert, nicht möglich.
Die unterschiedlichen Hundetrainier-Typen
Da unterschiedliche Ausbildungsrichtungen und auch Unterschiede in der Soziodemographie der Hundetrainer nicht ausreichen, um unterschiedliche Trainertypen zu beschreiben, wurde eine Clusteranalyse zur Aufstellung einer Trainer-Typologie durchgeführt. Ziel war dabei, Hundetrainer anhand ihrer Angaben im Fragebogen derart
in Gruppen zusammenzufassen, dass sich die Mitglieder einer Gruppe möglichst ähneln, während zwischen den Gruppen möglichst große Unterschiede bestehen. Es ließen sich vier Typen von Hundetrainern ermitteln (vgl. Tabelle 1), die sich einerseits in ihren Einstellungen und Verhaltensmustern sowie andererseits im Hinblick auf ihre subjektiven Theorien zu Hundehaltung und Hundetraining deutlich unterscheiden.
Der Hundesportler
ist ein Hundetrainer, der vorwiegend in Gruppen trainiert und sich dabei sehr leistungsorientiert verhält. Im Training setzt er seinen Fokus eindeutig auf den Hund und weniger auf den Hundehalter oder die Mensch-Hund-Interaktion.
Dem Pädagogen
geht es insbesondere darum, die Verständigung von Mensch und
Hund zu verbessern, indem er den Hundehalter individuell unterrichtet und beratend unterstützt.
Der Teamtrainer
ist ein engagierter, präventiv orientierter Hundetrainer, der die Bindung von Mensch und Hund am liebsten proaktiv unterstützt, bevor Probleme in der Beziehung auftauchen.
Für den Generalisten
ist insbesondere sein hoher Selbstanspruch charakteristisch, der ihn dazu verleitet, ein universelles Leistungsangebot für jegliche Typen von Hundehaltern, Beziehungsproblemen und sonstigen Anfragen anzubieten.
Wieder einmal zeigt sich, dass Unterschiede zwischen Personengruppen stärker auf unterschiedliche Einstellungen und Verhaltensmuster zurück zu führen sind als auf demographische Faktoren. Dennoch ließen sich signifikante Unterschiede zwischen den Trainertypen im Hinblick auf ihre Soziodemographie ermitteln:
- Hundetrainer von Typ 3 (der „Teamtrainer“) und Typ 4 (der „Generalist“) halten fast alle bereits seit über zehn Jahren Hunde
- Insgesamt sind Frauen in der Untersuchungsstichprobe deutlich überrepräsentiert mit einem Anteil von 83%.
- Bei Typ 3 und Typ 4 ist der Frauenanteil jedoch noch deutlich höher ausgeprägt ist als bei den anderen beidenTypen (den „Hundesportlern“ und den „Pädagogen“)Typ 2, der „Pädagoge“ ist signifikant häufiger Akademiker, fast die Hälfte hat Abitur und ein Studium absolviert
- Typ 2 und Typ 3 sind überwiegend als selbstständige Hundetrainer beschäftigt
- Typ 1 (der „Hundesportler“) hat vergleichsweise häufig keine Ausbildung zum Hundetrainer absolviert, da 34% der Trainer dieses Typs nicht speziell zum Hundetrainer ausgebildet wurden.
Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich:
Hundetrainer ist nicht gleich Hundetrainer:
Aufgrund der vielen Unterschiede im Ausbildungshintergrund und den Einstellungen sowie Verhaltensweisen von Hundetrainern wird eine Forderung nach klaren Ausbildungsrichtlinien und der Vorgabe bestimmter Ausbildungsvoraussetzungen zur Berufszulassung unerlässlich, um einen gewissen Standard für die die Beratung aufsuchenden Hundehalter zu garantieren. Wichtig wäre darüber hinaus, dass sich Anspruch und Wirklichkeit im Hundetraining sehr viel stärker annähern. Dazu müsste sich einerseits die Qualität des Angebots verbessern, andererseits sollten Hundetrainer auch ihre eigenen Ansprüche und die Darstellung ihres Leistungsangebots kritisch reflektieren, um realistische Erwartungshaltungen zu provozieren.